Interview mit ZARA
Interview mit dem Verein für Zivilcourage und Anti-Rassimus Arbeit
Was ist und macht ZARA?
ZARA gibt es seit 2000 und besteht einerseits aus einer Beratungsstelle für Zeug*innen und Opfer von Rassismus, bei der sich jede*r melden kann. Die Fälle werden von uns dokumentiert und – wo möglich – weitere Schritte gesetzt.
Die Beratung ist kostenlos, allerdings beraten wir nur in Antidiskriminierungsfragen. Im Asyl- und Fremdenrecht verweisen wir auf andere Vereine (Helping Hands, Asyl in Not, Asylkoordination, Deserteurs- und Flüchtlingsberatung). Andererseits gibt es auch die Trainingsabteilung, mit Fokus auf Präventionsarbeit und Sensibilisierung. Das heißt, wir gehen an Schulen, trainieren Lehrende und arbeiten teilweise auch mit Firmen. Einmal im Jahr gibt es auch einen offenen Workshop für alle Interessierten. Die dritte Schiene ist die Öffentlichkeitsarbeit: Einmal im Jahr bringen wir den Rassismus-Report heraus. Darüber hinaus gibt's auch noch Medienkooperationen z.B. mit dem Augustin. Dabei versuchen wir Rassismus nicht anhand von Einzelfällen zu thematisieren sondern auch generell zu behandeln.
Wie finanziert ihr euch?
Seit 2001 bekommen wir eine Grundförderung von der Stadt Wien (MA17) für die Beratungsstelle. Ansonsten finanziert sich der Verein vor allem durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Im Trainingsbereich gibt es verschiedene Projekte, die auch staatlich gefördert werden. Hier gibt's halt Probleme mit der Nachhaltigkeit. So hat 2008 das Unterrichtsministerium die Finanzierung für ein Projekt mit 30 Schulworkshops bewilligt, für das 300 Schulklassen Interesse bekundet haben. Letztes Jahr wurde dann allerdings die weitere Finanzierung gestrichen.
Wie definiert ihr Rassimus?
Wir bei ZARA definieren Rassismus folgendermaßen: Rassistische Diskriminierung ist, wenn ein Mensch und/oder eine Gruppe aufgrund der Hautfarbe, der Sprache, des Aussehens, der Religionszugehörigkeit, der Staatsbürgerschaft oder der Herkunft in irgendeiner Form benachteiligt wird. Bei Übergriffen im öffentlichen Raum ist es oft klar ersichtlich, wenn zum Beispiel direkt Bezug zur Herkunft oder Hautfarbe genommen wird. Allerdings ist es beim Zutritt zu Lokalen, im Arbeitsleben oder bei Behörden oft nicht klar, warum etwa eine Person schlecht oder unfreundlich behandelt wird. Da versuchen wir dann über Beschwerden, Briefe und im Kontakt mit Mitarbeiter*innen herauszufinden, was der eigentliche Grund war.
Und was ist Zivilcourage?
Zivilcourage beginnt mit Wahrnehmung und Verantwortungsgefühl und mündet in zivilcouragiertem Handeln. Dies bedeutet den Mut zu haben, sich für jemanden, dem Unrecht geschieht einzusetzen. Dies kann das Risiko eigener Nachteile beinhalten und unter Umständen den gesellschaftlichen und staatlichen Regeln oder Tendenzen zuwiderlaufen.
Was mache ich als Betroffene*r bei rassistischer Diskriminierung?
Es gibt viele Möglichkeiten für Betroffene: Von Anzeigen bei der Polizei über ein Verfahren bei der Gleichstellungskommission bis zu Gerichtsverfahren. Seit 2004 gibt es ja das Gleichbehandlungsgesetz; ZARA ist bei einem Klagsverband, damit kann auf Schadensersatz geklagt werden.
Und was kann ich tun, wenn ich Zeug*in eines rassistischen Übergriffes werde?
Unsere Zivilcourage-Trainings helfen dabei, Zeug*innen von rassistischem Übergriffen Handlungsmöglichkeiten zu geben. Es gibt kein Patentrezept für's Eingreifen. Wichtig ist, dass du vor allem einmal hinschaust und den Vorfall nicht ignorierst. Selbst wenn du nichts machst und später den Vorfall meldest, hilft das der betroffenen Person zwar nicht unmittelbar, aber Zivilcourage beginnt damit, hin zu schauen, wenn etwas passiert.
Für diejenigen, die es sich zutrauen, gibt es verschiedene Möglichkeiten einzugreifen. Was immer wichtig ist: Wenn du dich allein nicht traust einzugreifen, versuch möglichst viele Leute darauf hinzuweisen, fordere sie auf, mit dir an einer Lösung zu arbeiten und überlegt gemeinsam, was ihr machen könnt. Bei schwerer verbaler oder körperlicher Gewalt kann auch die Polizei gerufen werden. Wichtig ist, dass auf's Eintreffen der Polizei gewartet wird und sich auch als Anrufer*in, die auf Seiten des Opfers steht, zu erkennen geben. In manchen Fällen ist der Polizei nicht klar, wer Opfer und wer Täter ist, da sollte erklärt werden, was wirklich vorgefallen ist. Wichtig ist, dass du dir in der Situation nie mehr zumutest, als du auch wirklich bewältigen kannst.
Und wenn die Polizei selber rassistisch agiert?
Das Besondere ist, wenn die Polizei etwas anordnet, ist dem Folge zu leisten, auch wenn es für dich ungerecht ist. Du kannst dich später beschweren, aber in der Situation selbst führt's meist nur zu einer weiteren Eskalation.
Ich finde zwar, dass der Polizei auch gesagt werden muss: Das, was hier passiert, ist Rassismus, das lass ich mir nicht gefallen! Allerdings musst du aufpassen: Es kann schnell als Widerstand gegen die Staatsgewalt gewertet werden. Was du auf jeden Fall machen kannst, ist Beweismittel zu sammeln, denn rechtliches Vorgehen gegen die Polizei gestaltet sich meist deswegen schwierig, weil keine Beweise vorhanden sind, da von der Polizei bewusst Zeug*innen weggeschickt werden. Du kannst etwa in ruhigeren Momenten wieder hingehen oder als Betroffene*r Passant*innen anreden. Aber letztendlich bist du – wenn es wirklich ein rassistischer Polizeiübergriff ist – meist der Situation ausgeliefert.
Zurück zu ZARA, habt ihr extra Angebote für Jugendliche?
Es gibt ein Peer-to-Peer Projekt, in dem Jugendliche zu Trainer*innen ausgebildet werden, sowie eine Broschüre speziell für Lehrlinge, die wir auch auf unserer Homepage zum Download anbieten. In die Beratungsstelle kommen Jugendliche seltener, meist entsteht der Kontakt eher über Schulworkshops.
Auf der Homepage www.zara.or.at findet ihr den Rassismus-Report sowie verschiedene Broschüren und Informationen über unsere Workshops.

Kommentare
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