Antisemitismus

Reihenfolge: 
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Antisemitismus beschreibt die Verfolgung und Diskriminierung von Juden und Jüdinnen. Diese hat im 2. Weltkrieg durch die Ermordung von sechs Millionen Juden und Jüdinnen ihren Höhepunkt erreicht. Aber auch vor und nach der Nazi-Zeit war und ist Antisemitismus weit verbreitet, und zwar in allen Teilen der Gesellschaft.

Hass auf Jüdinnen und Juden gibt es schon seit Jahrhunderten. Anfangs gab es vor allem einen religiösen Antisemitismus. Die katholische Kirche machte in ihrer Geschichte Jüdinnen und Juden dafür verantwortlich, dass Jesus am Kreuz sterben musste. Gleichzeitig entstanden auch viele andere Mythen, mit denen Jüdinnen und Juden verunglimpft wurden: Sie würden Kinder töten oder gar an der Pest oder anderen Krankheiten Schuld sein. Damit konnten für Dinge, die sich die Menschen nicht erklären konnten, schnell und einfach Schuldige gefunden werden.

Eine andere Form von Antisemitismus entstand im 19. Jahrhundert, als vor allem in Europa die Idee der Nation entstand. Menschen, die auf einem recht willkürlich eingegrenzten Gebiet lebten, wurden auf einmal zu "Deutschen", "Pol*innen", "Franzos*innen" usw. Jüdinnen und Juden lebten schon damals überall auf der Welt verteilt und hatten kein Gebiet für sich. Dadurch wurden sie oft aus den neuen Nationen ausgeschlossen oder gezwungen sich anzupassen. Die Formen der Verfolgung waren in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich: Jüdinnen und Juden wurden aus manchen Städten vertrieben, oft wurde es ihnen verboten klassische Berufe auszuüben. Das führte dazu, dass vermehrt Jüdinnen und Juden im Geldverleih arbeiteten. Der Geldverleih war damals ein schlecht angesehener Beruf: Den dort arbeitenden Menschen wurde vorgeworfen, nichts aktiv für ihr Geld zu tun, sondern von den Zinsen anderer zu leben. Aus diesem Zusammenhang kommt auch die antisemitische Theorie, dass Jüdinnen und Juden gierig wären.

In dieser Zeit entstand mit der Industrialisierung auch das Wirtschaftssystem, das wir heute Kapitalismus nennen. Dieses neue Wirtschaftssystem hatte schon damals viele Nachteile und viele Menschen bekamen Folgen wie Jobverlust, Armut usw. zu spüren. Weil mensch sich nicht erklären konnte, wieso die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer wurden, machte mensch wieder einmal die Jüdinnen und Juden dafür verantwortlich. Schließlich arbeiteten diese schon lange im Geldhandel und damit glaubte mensch, sie müssten auch damit etwas zu tun haben... Diese Theorie ist in etwa so absurd, als würden wir Bauarbeiter*innen für hohe Mietpreise verantwortlich machen, trotzdem glauben bis heute noch manche Menschen, dass sie stimmt.

Jüdinnen und Juden wurden während der letzten Jahrhunderte immer wieder verfolgt, es gab Ermordungen von Jüdinnen und Juden, Häuser wurden zerstört, Menschen wurden aus Städten vertrieben und enteignet. Ihren Höhepunkt fand diese Verfolgung im Nationalsozialismus. Dieser konnte auf antisemitische Theorien und Ideen, die seit Jahrhunderten existierten, aufbauen und sie noch weiter verstärken. Viele Menschen glaubten damals, dass diese richtig wären und beteiligten sich aktiv an antisemitischen Aktionen. Viele weitere Menschen unterstützten zumindest gedanklich die nationalsozialistische Verfolgung von Jüdinnen und Juden und wieder sehr viele andere sahen einfach weg – und ignorierten, wie vor ihren Augen Menschen gedemütigt, verhaftet oder ermordet wurden. Ziel des Nationalsozialismus war es, alle Jüdinnen und Juden zu vernichten. Darüber hinaus wurden auch Roma und Sinti, Homosexuelle, "Asoziale", Menschen mit Behinderungen, Zeug*innen Jehovas und politische Oppositionelle wie z.B. Kommunist*innen und Sozialdemokrat*innen verfolgt und in Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet. Im Nationalsozialismus wurde ein großer Teil aller in Europa lebenden jüdischen Menschen – insgesamt sechs Millionen – ermordet. Viele weitere Jüdinnen und Juden mussten fliehen, zum Beispiel in die USA oder nach Israel.

Europa wurde am 8. Mai 1945 durch die Alliierten vom Nationalsozialismus befreit. Antisemitische Ideen und der Hass auf Jüdinnen und Juden blieb aber in vielen Köpfen weiter bestehen. Rechtsextreme Gruppierungen und Parteien sowie Neonazis agieren häufig mit antisemitschen Parolen. Sehr oft steht dabei weiter das Vorurteil, dass Jüdinnen und Juden den Geldhandel beherrschen würden, im Mittelpunkt. Davon ausgehend wird behauptet, dass jüdische Menschen am Kapitalismus schuld wären. Oft wird sogar behauptet, sie würden die "Fäden" der weltweiten Politik und Wirtschaft ziehen um den Kapitalismus weiter aufrecht zu erhalten und von diesem profitieren zu können. Diese Ideen sind keineswegs nur im rechten Spektrum en vogue. Im Gegenteil: In Zeitungen, am Stammtisch, beim Kaffekränzchen oder in verschiedenen Filmen sind sie Teil alltäglicher Politik in weiten Teilen der Gesellschaft.

Aber auch in linken Kontexten werden leider öfter antisemitische Stereotype verwendet. Dabei geht es sehr oft um Debatten rund um den Staat Israel. Einerseits muss Israel als Staat, in dem heute Jüdinnen und Juden ohne verfolgt zu werden leben können, unterstützt werden. Andererseits ist Israel ein Staat wie jeder andere – und macht deshalb genauso kritikwürdige Politik wie Österreich oder die Türkei oder England. Oft wird aber die israelische Politik aber mit anderen Standards bewertet als die eines andere Staates. Wenn die Politik Israels und anderer Staaten also unterschiedlich kritisiert werden, ist das oft ein Anzeichen dafür, dass antisemitische Vorurteile als Kritik getarnt werden.

Antisemitische Vorurteile und Argumentationen sind leider noch immer alltäglich. Gerade weil wir aus der Geschichte wissen, wohin diese führen können, ist es dringend notwendig, diese zu bekämpfen!

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